“Was denn hier los? Hier rührt sich derzeit ja gar nix”, wird sich der ein oder andere Leser meines Blogs in letzter Zeit gefragt haben. Recht hat er. Gesundheitlich angeschlagen läuft es sich derzeit einfach nicht gut. Ich hab Zahn, Fuß und Müdigkeit. Ausreden – das mag der eine oder andere jetzt denken. Nein. Zahlreiche Versuche habe ich hinter mir und es macht einfach keinen Spaß loszulaufen, vorher noch schnell zwei Schmerzmittel einzuwerfen und dann nach einem Kilometer zu merken, dass aufgrund der Zahnbehandlung, die Beißerchen zu pochen beginnen. Alles was über’s Wandertempo hinaus geht ist übel.
Mein allererster Kletterversuch an der Kinderwand
Und was mache ich dann? Stammleser können es sich denken: Geocachen. Und zwar ziemlich intensiv. Ist schon seltsam wie sehr einen dieses Hobby begeistern kann. Und wozu einem dieses Hobby  treibt. Weil schwieriger schöner ist, haben wir hier mit dem Klettern begonnen. Erklärung: Für einige der schwierigen T5er-Caches muss man sich halt mal Abseilen oder auf 20 Meter klettern. Gar nicht so einfach wenn man ein höhentechnischer Schisshase ist. Aber: Es geht! Es ist schon eine seltsame Erfahrung, wenn man mal die ersten einfachen Touren in der Kletterhalle nimmt, am eigenen geknüpften Knoten hängt und am Ende der Route die Beine zittern. “Alles Gewöhnungssache”, wie mir alte Hasen versprachen. “Drück mehr mit den Beinen, zieh weniger mit den Armen”, diesen Satz hörte ich ständig. Dabei hatte ich doch genug damit zu tun mich erstmal fest an den Griff zu klammern.
Die nächste Herausforderung wird wohl das Abseilen sein. Gesichert über eine Kante laufen und dann 20 Meter runter. Mich gruselt es jetzt schon wenn ich nur dran denke. Eigentlich kann ich gar nicht wirklich daran denken, da ich mir das nicht vorstellen kann. Aber wie schrieb ich ein Stück weiter oben: “Es geht!”
Diese idyllischen Plätzchen will ich auch beim Laufen wieder genießen
Langsam werde ich versuchen jetzt wieder ab und an die Laufschuhe zu schnüren. Ob und wann ich wieder auf dem letzten Level sein werde, steht in den Sternen. Eine Erkenntnis kam mir letzdings im Chat mit einem Lauffreund: Überinformation und Übersättigung geht gar nicht. Mir war es zuviel Lauferei, ich setzte mich selbst unter Druck. Im Endeffekt lief ich immer – egal ob ich Lust hatte oder ob ich lieber Zeit mit Freunden verbracht hätte. Ich fühlte mich von Kilometer zu Kilometer unwohler. Respekt an alle die Vollgas geben und immer gerne laufen. Ich habe mich selbst mit dem wunderbaren Sport gestresst, meinte ich müsse das tun und habe mir immer Ziele gesteckt. Dabei habe ich aus den Augen verloren, was ich wirklich wollte. Ich wollte das Laufen genießen. Dahin will ich jetzt zurück. Ich will wieder diese Lust haben morgens aufzustehen und den Sonnenaufgang bei einem schönen Lauf durch die Wälder und das Tal genießen.
Also: Keine Angst. Ich bin nicht weg. Ich suche nur nach meiner Art zu Laufen. In diesem Sinne: Run Happy!
Kleine Filmdosen, PET-Flaschenrohlinge und Lock’n'Lock-Behälter finde ich super. Besonders wenn sie jemand versteckt und ich sie dann stundenlang im Wald suchen darf. Noch besser: Ich finde sie nicht gleich, sondern werde erst noch mit Aufgaben bombardiert oder muss vorher ein richtig schweres Rätsel lösen. Super, oder?
Die einen schreien jetzt laut “JAA!”, die anderen haben spätestens nach dem Wort “Lock’n'Lock” aufgehört zu lesen. Geocaching nennt sich das Ganze. Dass ich ganz gerne mal ein bisserl Dosensuchen gehe, dürfte sich auch in der Blogosphäre rumgesprochen haben. Der Fundzähler zeigt derzeit knapp über 1.400 Caches. Schon irgendwie irre, wenn man bedenkt, dass wir (bessere Cachehälfte und ich) seit gerade mal zwei Jahren auf die Suche gehen.
Aber langsam. Obwohl das Cachen immer bekannter wird, wissen viele nicht worum es geht. Kurz: Jemand versteckt ein Behältnis mit einem Notizblog, ermittelt mit einem GPS-Gerät die Koordinaten des Ortes und trägt diese auf einer Internetseite samt Beschreibung ein. Nachdem ein “Reviewer” die Angaben überprüft hat, ist der Sucher dran. Der holt sich die Koordinaten auf sein GPS-Gerät, rennt los und versucht den Cache zu finden. Am Ziel (Final) angekommen, schreibt sich der Finder in das Logbuch und loggt zuhause auf der Internetseite den Fund. Das wäre dann die einfachste Cacheart – der Traditional (kurz Tradi).
Weil das manchen zu langweilig ist, gibt es noch Multicaches. Hier bekommt man die Koordinaten für einen Startpunkt, muss sich von Station zu Station vorarbeiten um am Ziel anzukommen. Das ganze erinnert stark an die aus der Kindheit bekannte Schnitzeljagd. Mal bekommt man die weiterführenden Daten durch die Lösung einer Frage a la “Wieviele Fenster hat das vor dir liegende Haus auf der zur Straße zugewandten Seite?”, mal sind einfach irgendwo die Koordinaten auf, unter oder in einem Objekt versteckt. So kann es schon mal sein, dass man auf dem Rücken in der Erde liegend unter einer Parkbank mit einem Spiegel und einer UV-Lampe nach irgendeinem Hinweis sucht. Crazy, oder?
Rätselfreunde kommen bei den Mystery-Caches auf ihre Kosten. Hier müssen die GPS-Jäger erstmal ein Rätsel lösen um überhaupt zum Ziel bzw. zur ersten Station zu kommen. Mal sind Fragen zum Lieblingsfußballverein des Versteckers (Owner), mal sind es Logikrätsel oder Rechenspielchen, mal ist ein Bilderrätsel der Schlüssel zum Erfolg. Die so ermittelten Koordinaten führen dann entweder direkt zur Dose oder wieder zu einem Startpunkt einer multicacheähnlichen Suche.
Zusätzlich zu diesen drei Cachearten gibt es noch einige mehr. Eine gute Auflistung gibt es zum Beispiel hier im CacheWiki (http://www.cachewiki.de/wiki/Cachetypen) So wie es verschiedene Cachetypen gibt, gibt es auch verschiedene Schwierigkeitsstufen. Die Rating-Skala geht von 1 bis 5 in 0,5er-Schritten und ist aufgeteilt in zwei Kategorien. Das wäre zum einen die Terrainwertung (Gelände) und die zum anderen die Difficultywertung (Schwierigkeit). Wie die Caches einzuschätzen sind, können Interessierte ebenfalls im CacheWiki auf dieser Seite (http://www.cachewiki.de/wiki/Rating) nachlesen. Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass ein Cache mit der Wertung 3/3 wesentlich interessanter als einer mit der Wertung 1/1 ist (Vom 5/5er reden ich jetzt mal gar nicht).
Zugegeben: Nicht jeder versteht, warum man stundenlang rumrennt, rätselt und sucht, nur um sich auf einem Blatt Papier und im Internet verewigen zu können. Aber irgendwie scheint es in der Natur des Menschen zu liegen, dass er gerne sucht und noch viel lieber findet. Wer einmal seinen ersten Cache gefunden hat, der weiß wovon ich spreche. Für mich war es eine Filmdose die in eine Telefonsäule eingeklemmt war. Ich zog mit dem Handy und der passenden App los und wollte es halt auch mal ausprobieren. Wahrscheinlich dachte ich damals auch, dass das Ganze ein ganz großer Schmarrn sei. Ich glaube, dass mich der Cache-Virus spätestens erwischte, als ich, nach unzähligen Rechts-Links-Blicken mir ein Herz fasste, mich unter der Taschenablage an der Telefonzelle entlangtastete und wie vom Blitz getroffen den “Schatz” in meinen Händen hielt. Mittlerweile umfasst die Ausrüstung für dieses Hobby ein “paar” Gegenstände mehr (GPS-Empfänger, Wathose, Klettergurt, UV-Lampe, Mega-Stirnlampe, unzählige Schreibgeräte, Spiegel, Rechner, Lupe…). Wird mal in einer größeren Gruppe ein besonders fieser oder reizvoller (meist ein und das Selbe) Cache angegangen, sieht das eher nach einem Feldzug als nach einem Hobby aus.
Alles ist plötzlich so nah
1.400 Caches in zwei Jahren sprechen eine recht deutliche Sprache. Mittlerweile sind wir soweit, dass wir es uns zur Aufgabe gemacht haben jeden Tag einen Cache im Kalender stehen zu haben. Passend, dass wir dieses Jahr einen 29. Februar im Kalender hatten. Da waren wir dann auf einem Event. “Moment. Event?”, wird sich der ein oder andere jetzt fragen. Ok, das ist dann die wahrscheinlich gemütlichste Art des Cachens. Ein Dosensucher organisiert eine Veranstaltung und zahlreiche Artgenossen folgen diesem Ruf. Da wird dann fachgesimpelt, das eine oder andere Cachergarn gesponnen und, nicht selten, auch mal im Innenraum des Veranstaltungsraums nach (vorher versteckten) Schätzen gesucht. Für uns war das Hobby mit dem GPS-Gerät ein echter Glücksgriff. Nach dem Umzug in den Chiemgau, fingen wir ja quasi bei Null an. Bekanntschaften: Fehlanzeige. Mittlerweile haben wir durchs Cachen viele Bekannte und einige Freunde gefunden.
War das Dosensuchen anfangs noch ein spaßiger Zeitvertreib, ist es mittlerweile ein richtig zeitintensives Hobby. Der Zahl der veröffentlichten Schätze nimmt immer mehr zu, da sich immer mehr so Verrückte (Und wir sind sicherlich nicht die Verrücktesten wie wir es sind gibt. Und wenn mal kein Rätsel zu lösen ist, keine Neuveröffentlichung im E-Mail-Postfach liegt und kein Treffen angesagt ist, wird halt geschaut wo sich eine schöne Runde gehen lässt oder wo ein besonders angesagter Multi liegt. Cacher sind die wohl reisefreudigsten Menschen die ich kenne. 50 Autokilometer für eine schöne Serie ist nichts. Alles was im Umkreis von 50 Kilometern liegt “ist eh in der Nähe”, was drüber liegt, kann man sich ja mal überlegen. Auch die Art der Caches wird immer ausgewählter. War man früher glücklich einen einfachen Tradi in den Händen zu halten, ist der mindestens zweistündige Aufstieg zu einem Rätsel-Multi auf einen Berg mittlerweile keine Seltenheit mehr. Ebenso ist das, in brusthohen Gummihosen, durchs ebenso brusthohe Wasser waten kein Ding der Unmöglichkeit. Als ob das noch nicht genug ist, sind wir jetzt sogar soweit, dass wir mit Klettergurt und Sicherungsgerät losziehen und mal ab und an in die Trainingshalle gehen und dort versuchen (unter Anleitung) die richtige Klettertechnik zu bekommen. Warum? Gegenfrage: Wisst ihr, wie viele Geocaches in luftiger Höhe über euren Köpfen baumeln? Bingo!
Technisch gesehen sind Cacher tiptop. Zumindest ein solides Grundwissen am Computer und bei der GPS-Hardware sind schon mal eine gute Voraussetzung für eine spaßigen Tag im Freien. Apropos Spaß im Freien. Ich habe Kinder schon lange nicht mehr mit einer solchen Begeisterung im Freien “spielen” sehen wie beim Geocachen. Der Ehrgeiz die Großen zu übertrumpfen und als erster den Schatz in den Händen zu halten ist riesig und wenn es dann auch noch klappt, kann sich Mama und Papa auf das ein oder andere Sprüchlein vom toughen Nachwuchs gefasst machen.
Zu guter letzt, aber extrem wichtig! Jetzt war das seit langer Zeit mal wieder ein Blogeintrag zu einem anderen Thema als die mir lieb gewordene Lauferei. Wie ist eure Meinung zum weltweiten Geocacheboom? Habt ihr schon mal nach einer Dose gesucht? Und was mich ebenfalls sehr interessiert: Steht dem twnblog.de ein solcher Seitensprung in Richtung Geocaching? Wollt ihr öfter zu diesem Thema Artikel auf de Blog lesen? Schießt los, ich bin gespannt.
Schon mal einen Satelliten für eine private Schnitzeljagd missbraucht? Nein? Ich habe es erst heute wieder getan. Hat Spaß gemacht. Geocaching – in aller Mund. War das Hobby mit dem GPS-Gerät früher noch ein echter Nerd-Insidertipp, zieht es heute Jung und Alt hinaus zu den Caches. Es geht darum, mit Hilfe eines GPS-Gerätes, vorher im Internet veröffentlichte Koordinaten zu finden, diese zu besuchen und sich in ein Logbuch einzuschreiben.
Und weil das Papier sich mit Nässe vollsaugen würde, steckt man es meistens in das wasserdichteste aller Behältnisse das die Menschheit geschaffen hat: Brotzeitdosen, vorzugsweise von der Firma Lock & Lock. Die Koordinaten, die einem zu der “Dose” führen, findet man im Internet auf www.geocaching.com. Hier hat man dann zudem die Möglichkeit sich zu registrieren und jeden Fund online zu loggen. Wer jetzt denkt “pahh, da muss ich sicher Kilometerweit fahren um mal so eine Dose zu finden”, der irrt sich gewaltig. Fast in jedem 5-Kilometer-Umkreis findet sich ein Cache. In den Ballungsgebieten tun sich die Cachebesitzer oft schwer neue zu legen – sie können den vorgeschriebenen Mindestabstand von Cache zu Cache nicht mehr einhalten.
Cachen boomt – und das nicht zuletzt wegen der Möglichkeit das Hobby auch (mehr oder weniger) mit dem Smartphone betreiben zu können. Wir machten uns heute in einer kleinen Gruppe auf um mal unsere Watthosen auf Herz und Nieren zu testen. Ab in den Untergrund, hinein in den Fluß oder hoch auf den Baum – für Abwechslung war gesorgt. In der Galerie gibt es mal eine kleine Auswahl der Snapshots des heutigen Cachedays. Wer genauere Infos zu den einzelnen Caches will, der kann mich ja gerne mal anschreiben oder mich via geocaching.com kontaktieren. Dort habe ich den Namen “wackyneighbour” – was sonst…
Folgende Caches waren ein kleiner Teil der heutigen Tour:
Lieber Föhn als Nebel – die trübe Suppe die es heute mal wieder hatte geht mir auf den Geist, schlägt mir auf’s Gemüt und nervt. “Hilft nix, da musst du jetzt durch!” Danke Gewissen, du bist so gut so mir…
War aber auch nötig. Heute Abend kommt die nächste Hürde auf meinem Weg: All-you-can-eat-Buffet beim mongolisch-thaländisch-chinesisch-japanischen Koch in einer gemütlich Runde mit einigen Geocachern der Region – quasi ein Mini-Event.
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