Als ich mal besser als Jan Böhmermann war…

Hey Twitter, du komischer Vogel! Ich nutze dich ja echt gerne. 140 Zeichen. Kurz, prägnant, schnörkellos – so muss ein Tweet aussehen. Vielleicht noch ein lustiges Bild, ein interessanter Link oder ein irres Gif, dann ist es aber auch schon gut. Mehr braucht es nicht. Beim Scrollen durch meine Timeline fühle ich mich unterhalten und informiert. Wenn ich mehr wissen will, klicke ich mich durchs Web. Ich bin also mehr so ein passiver Twitter-User.

Bis zum 06. Dezember 2016. Da war ich mal wieder aktiv. Es ist der Nikolaustag und ich scrolle mich beim Breakfast-Tea durch die Kurznachrichten. Ich lese wohl verdächtig oft das Wort „deutsch“, anders kann ich mir meinen Geistesblitz nicht erklären. Schnell packe ich meine Stiefel, stelle sie vor die Tür und lege einen handgeschmierten Zettel drauf. „Schuhe gehören nicht in den Flur.“ Ich grinse mir jetzt schon einen. Die Krönung setze ich dem ganzen mit einem „MfG Ihr Nachbar“ auf. Ich bin mir sicher: Das gefällt ein paar meiner Follower. Ich poste das Bild mit einem kurzen „Nikolaus in einem deutschen Mehrfamilienhaus…“ und klicke auf den Twitter-Button.

Bing! Ha, da war es. Das erste „Gefällt mir“. Es ist ein mir bekannter User. Wir sehen uns monatlich zum Kartenspiel. Scheint sein Humor zu sein… Er retweetet es. Bing! Juhu, noch einer dem das gefällt. Eine halbe Stunde später. 28 Leuten gefällt das. Da ist er: Mein Erfolgstweet. Ich freue mich und fahre ins Büro. Dort zücke ich mein Smartphone. 57 Leuten gefällt das. Ich erzähle es meiner Kollegin. Sie lacht. Mein Smartphone bimmelt wie verrückt. So verrückt, dass ich es mal lautlos stelle. 100 Leuten gefällt das. Das geht dann so weiter und weiter und weiter. Nach zwei Tagen wird es ruhiger. Nach fünf Tagen ist der Spuk vorbei.
Insgesamt gefällt bis heute 4.875 Usern mein Tweet. 1.796 mal wurde er retweetet. 90 Leute wollten mehr dazu wissen und haben geantwortet. Von bösartigen Beschimpfungen meiner Nachbarn bis zum nahe liegenden „Typisch deutsch“ war alles dabei. Ich war ziemlich bemüht meine Nachbarn zu verteidigen und stellte mehrmals klar, dass es nur ein Scherz war und meine Nachbarn ganz lieb sind.

+++ EIL: Böse Überraschung zu Nikolaus +++

Das eigentlich verwunderliche war für mich der Umgang der öffentlichen Medien mit dem Tweet. Es dauert gerade mal knapp über 1.000 Gefällt-mir-Klicks bis die erste Zeitung anrief. Zugegeben, für meine Telefonnummer brauchte es auch nicht viel Recherchearbeit. Ob sie meinen Tweet auf Facebook teilen dürfen, fragte eine aufgeregte junge Dame. Ich verneinte und stammelte was von „ist mir zuwider“ und „war nur ein Scherz“. Mit einem traurigen „Okeeeee“ verabschiedete sich die Dame. Sie hielt sich tatsächlich daran, was wir ausmachten. Andere Medien waren da frecher. Screenshot gemacht und auf Facebook gepostet. Sieht dann fast wie eigener Content aus. Mir eigentlich auch egal. Ich bekam immer mehr Nachrichten von Freunden, in dem sie mir erklärten wo mein Post überall auftauchte.

Richtig interessant machte es aber erst der Focus. Kennt man ja. Ein Nachrichten-Magazin. Dass mein Tweet in die Nachrichten muss bezweifle ich bis heute. War er aber. „Nicht in den Flur. Böse Überraschung zu Nikolaus entpuppte sich als Scherz“ titelte die Onlineausgabe des Magazins. Nicht schlecht. Da hat es tatsächlich jemand geschafft, mit einen mehr oder weniger ernsthaften Artikel über meinen Post, den Whitespace seiner Webseite zu füllen.

Was das Ganze mit Jan Böhmermann zu tun hat? Naja, nichts. Ok, nicht viel. In der 24-Stunden-Auswertung einer Monitoring-Plattform lag ich mit meinem Tweet unter anderem vor Twitter-Meister Böhmermann. Ja, freut mich. Mehr aber auch nicht. Und jetzt is gut mit Nikolaus und so. Meine Tweets haben wieder zwei, drei, mal auch mehr Gefällt-mir-Klicks. War aber echt ne spannende Erfahrung so etwas zu erleben…

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