Notizblock? Tablet? Notebook? Nein, es ist ein Yoga Book

Da macht sich Lenovo Gedanken und versucht eine Kombination aus Tablet, Notebook und Zeichentablet – und was kommt dabei raus? Eine eierlegende Wollmilchsau, die vieles kann, aber auch noch etwas krankt. Ich habe mir das Yoga Book mal angesehen und schreibe meine Erfahrungen mit dem vermeintlichen Schweizer Taschenmesser unter den Notebooks gesammelt.

Das Gerät landet samt Stift (mit Ersatzminen), Block und Ladegerät/USB-Kabel in einer schicken Verpackung auf meinem Schreibtisch. Ich habe mich hier für die Windows-Version entschieden, da ich mir hier einige Vorteile versprochen habe. Als erstes fällt auf, dass das Yoga Book keine echte Tastatur hat. „Halo Keyboard“ nennt Lenovo diese Innovation. Tatsächlich schlägt der Hersteller damit einen recht neuen Weg ein. Getippt wird also in Zukunft auf einer glatten Oberfläche die die Tastatur nach Bedarf einblendet.

Keyboard? Nicht vorhanden!

Das erste Einrichten des Systems funktionierte anstandslos und nach guten 20 Minuten war das Gerät einsatzbereit. Das Halo Keyboard war auch das erste was mich interessierte. Also: OneNote geöffnet und ran an die erste Notiz. Auffallend war das zeitversetzte Vibrieren und der ebenfalls zeitversetzte künstlich erzeugte Klacken des „Keyboards“. Mit zeitversetzt meine ich, dass wirklich nichts gleichzeitig anspricht. Ein „klick“ oder besser einen Berührung auf der Tastatur versetzt das Yoga Book einen Augenblick zu spät in eine Vibration. Das Klacken der Tastatur kam wieder ein wenig Zeitversetzt. Das machte mich völlig verrückt. Ich habe die Keyboard-Reaktionen dann einfach deaktiviert – was wiederum zu einigen Tippfehler auf Grund des fehlenden Feedbacks führt. Überhaupt ist das Tippen eher anstrengend als angenehm. Tippfehler sind vorprogrammiert und es macht einfach keinen wirklichen Spaß.

Ungewohnt dürfte für viele auch die Zeichentablet-Funktion sein. Mit einem Druck auf das Stiftsymbol auf der Tastatur wird das Halo-Keyboard deaktiviert. Nun steht dem User die komplette Fläche als Zeichentablet zur Verfügung. Das heißt, dass dort, wo der Stift angesetzt wird, parallel dazu auf dem Bildschirm ein Fadenkreuz angezeigt wird – vorausgesetzt man ist in einer kompatiblen App. Zieht man nun eine imaginäre Linie auf der Keyboardfläche, wird dieser Strich auf dem 10″-Bildschirm gezeichnet. Das Verhältnis ist 1:1. Heißt: Setze ich rechts oben mit dem Stift an und ziehe nach links unten, wird genau an der Stelle des Bildschirmausschnitts eine Linie gezeichnet – ganz wie bei einem Zeichentablet. Ebenso ersetzt diese Eingabemethode das Trackpad. Es lässt sich also anstatt mit einer Maus auch nur mit dem Stift bedienen. Dieser ist druckempfindlich. Bei leichtem Druck zeichnet man also feine, bei festen Druck dickere Linien. Auf der Zeichenfläche geht das ziemlich gut. Der Clou kommt aber noch.

Schreiben auf Papier

Man kann nämlich einen Block mittels Magnet auf dem Keyboard montieren. Wechselt man nun die Plastikspitze des Pen gegen eine der drei mitgelieferten Kugelschreiberminen aus, kann man auf echtem Papier zeichnen und hat gleichzeitig seine Notizen mit dem Rechner synchronisiert. Da ich ein Papiertyp bin, mag ich diese Funktion besonders. Ich finde, dass das Schreiben auf echtem Papier sich nicht so einfach simulieren lässt. Bisher habe ich jedenfalls noch kein Gerät in den Händen gehalten, welches mir auch nur ansatzweise das Gefühl von Papier und den damit verbunden Schreibkomfort bietet.

Notizen lassen sich natürlich auch direkt am Bildschirm bearbeiten. Dafür muss natürlich wieder die Spitze des Stifts gegen die Plastikversion getauscht werden. Ich mag das Scheiben auf glasartigen Oberflächen leider gar nicht, so dass ich dann tatsächlich lieber den Blindflug im Grafiktablet-Modus bevorzuge. Blindflug deshalb, weil man nie so richtig weiß wo man ist. Mit einiger Übung funktioniert das dann schon ganz gut. Kleiner Tipp. Schreiben auf der Keyboardfläche, aber die Augen auf dem Bildschirm lassen.

Mein Fazit

Die Arbeitsgeschwindigkeit des Yoga Book ist angenehm, ich konnte jetzt nicht die großen Ruckler beim Webseitenscrollen in der Windowsversion feststellen. Das Gerät ist schön leicht und somit ultraportabel. Wer einen kleinen und vielseitig einsetzbaren Weggefährten sucht sollte gut bedient sein. Als Zweitgerät und hauptsächlich als Tablet oder digitaler Notizblock eingesetzt macht das Yoga Book durchaus Spaß – einen vollwertigen Laptop wird dieses Modell aber noch nicht ersetzen.

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