Microsoft Lumia 950 XL – unterschätzt aber unvollendet

Es gibt Smartphones, die legt man nicht gerne aus der Hand. Derzeit nutze ich ein OnePlus 3 und bin damit mehr als zufrieden. Vor gar nicht so langer Zeit hab ich mir parallel zum Flagshipkiller ein Lumia 950 XL von Microsoft gegönnt – einfach nur um mal zu sehen was der Riese von Bill Gates so auf den Markt schmeisst. Am Ende war ich positiv überrascht, und trotzdem enttäuscht.

Mal ehrlich, es klingt verlockend. Ein Betriebssystem auf allen Geräten. Da ich mittlerweile zu 50 Prozent Windows-User bin (die restlichen 50 Prozent nutze ich ein Macbook im Job) klingt es schon verführerisch, dass es da ein Smartphone mit der mittlerweile ganz gut gelungenen Benutzeroberfläche gibt. Ich war einfach zu neugierig. Eines Tages klingelte also der Postbote und brachte mir ein gebrauchtes Lumia 950 XL. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen, schließlich liegen positive und negative Kommentare im Web ziemlich gleichauf – zumindest, wenn man objektiv an die Sache rangeht und man sich an keinem Glaubenskrieg beteiligt.

Ausgepackt, geladen und gestartet. Los geht es. Enttäuschend ist schon mal das Äussere des großen 950er. Der Deckel hinten knarzt wie ein Holzboden in einem Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert. Das hat mir Google übrigens auch schon vorher verraten. Viele Benutzer raten zu den Backcovern von Mizo. So eines hab ich mir dann auch bestellt. Der Unterschied war enorm, eine optische Aufwertung um 100 Prozent. Was das Lumia kann, ist Strom speichern. Das Laden geht wirklich schnell. In einer Stunde ist der Akku voll und hält den ganzen Tag her. Ähnliches kenne ich bis jetzt nur von meinem aktuellen OnePlus 3 und der Dash-Charge-Technik. Das OnePlus wird übrigens noch ein paar Mal als Vergleich herhalten müssen.

Bevor ich das neue Backcover montiere, setze ich die Sim-Karte ein. Gleich fällt auf: Der Akku ist tauschbar. Zwei Handgriffe und im Lumia arbeitet ein neuer Stromlieferant. Aber mal ehrlich: Ich hatte mit bisher keinem Smartphone das Problem, dass der Akku versagte – egal ob fest montiert oder tauschbar. Nach dem Einschalten folgt ein Initialisierungsritus der dem von Windows 10 am Rechner gleicht – inklusive Updates 😀

Läuft das Lumia samt aktuellem Betriebssystem, macht es eigentlich schon Spaß. Die Apps die es gibt, funktionieren mehr oder weniger, die Anbindung an die Office-Suite ist gut und das Smartphone verrichtet größtenteils ruckelfrei seinen Dienst. Ihr merkt, Begeisterung sieht anders aus. Mir kam das Lumia 950 XL vor wie eine große Baustelle. Das geht beim User Interface los. Es gibt einen dunklen und einen hellen Modus. Im dunklen Modus werden Apps wie z.B. WhatsApp mit einem schwarzen Hintergrund dargestellt. Die Schrift ist dann weiß. Invertiert sind Buchstaben wesentlich besser lesbar, also kann man den Modus in den Einstellungen ändern. Leider sieht das UI im hellen Modus aus wie die unfertige Arbeit eines mittelmäßigen Programmierers, der mal einen Grafikerkurs besucht hat.

Auch bei den Apps muss man als Windows-Phone-User Abstriche machen. Als Androidnutzer bin ich es gewohnt, dass es für alles eine App gibt. Meist mehrerer. Und meistens gibt es je nach Verwendungszweck mehrere gute Alternativen im Playstore von Google. In Microsofts Appstore sieht es da anders aus. Zwar gibt es einige exklusive Apps, die ich auch gerne auf den anderen Plattformen sehen würde, aber im Großen und Ganzen fehlen für mich essentielle Programme. Die Apps die erhältlich sind, stecken oft auch in der Entwicklung fest oder werden gar nicht mehr weiter entwickelt. Schade.

Ein Highlight ist die Kamera im Lumia 950 XL. Die versenkt so ziemlich alles an Smartphoneknipsen, was ich bisher in den Händen halten durfte (OnePlus 3, S7Edge, Huawei P9, etc…). Mit 20 MP löst die Kamera auf und macht wirklich (für Smartphoneverhältnisse) großartige Bilder. Auch das Display ist ein echter Hingucker und steht den aktuellen Android-Top-Geräten in nichts nach.

Microsoft Lumia 950 XL – das Fazit

Wer nur essentielle Apps nutzt, der findet im Windowsphone einen guten und mittlerweile günstigen Begleiter. Die Kamera und das Display sind großartig. Leider sorgt eine geringere Appauswahl und eine stehen gebliebene Entwicklung für einen faden Beigeschmack. Es bleibt abzuwarten, was das angekündigte Surface Phone im Spätsommer 2017 bringen wird.

You may also like

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.